Bartholdy-Ensemble Rheinfelden

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Erfahrung und Reife treffen auf frischen Enthusiasmus

Das Bartholdy Ensemble spielte im Rahmen der Kulturamts-Reihe "Unerhört – Klassik in Rheinfelden" in der Adelbergkirche.

 

Hochspannende Kammermusik in aufwühlend emotionalen Interpretationen war beim jüngsten Konzert des Bartholdy Ensembles in der Kulturamts-Reihe "Unerhört – Klassik in Rheinfelden" zu erleben: Da agierten gleich drei Musikergenerationen in der Rheinfelder Adelbergkirche. Christian Sikorski, Leiter des Bartholdy Ensembles und Violinprofessor an der Stuttgarter Hochschule für Musik, und sein Professorenkollege Peter Buck, langjähriger Cellist des früheren Melos-Quartetts, spielten gemeinsam mit einigen ihrer hochbegabten Studenten und Absolventen der Kammermusikklasse. Erfahrung, Souveränität, Reife trafen hier aufs Schönste mit dem frischen Enthusiasmus und Können hochtalentierter junger Streicher zusammen.

Wie blendend das harmonieren kann, hörte man schon in Mozarts Bearbeitung seiner Bläserserenade für Streichquintett KV 406: Sehr akzentuiert, energisch, dynamisch im Impuls, federnd und voller Verve im Strich erklang dieser Satz gespielt von Christian Sikorski, Peter Buck, Axel Breuch, Maria Kranzfelder und Madeleine Pryzybyl, deren Streicherstimmen im lebhaft durchpulsten Mozart-Spiel sehr schön transparent durchzuhören waren. Großen Eindruck hinterließ der junge, spieltechnisch ausgesprochen virtuose Geiger Angelo de Leo als Solist in Schuberts Rondo A-Dur für Violine und Streicher. Er ging dieses Werk des 18-jährigen Schubert mit warmem, kantabel blühendem Geigenton an, aufschwingend im romantischen Gefühl, empfindungsvoll, voller Innigkeit im Adagio und voller tonlicher Frische und schwungvoller Emphase im Allegro.

Enorme Intensität, Spannkraft und innerlich glühendes Feuer legte Angelo de Leo als Primarius zusammen mit der zweiten Geigerin Mona Burger, dem Bratschisten Tobias Reifland und dem Cellisten Jonas Palm in die Wiedergabe von Schostakowitschs Streichquartett Nr.8 c-Moll. Der Komponist schrieb es in Erinnerung an die Opfer von Krieg und Faschismus. Und die Zuhörer waren nachhaltig beeindruckt, mit welcher Konzentration und Expressivität das junge Streichquartett dieses schmerzlich intensive Werk bis in die Tiefenschichten aushorchte: Hochexpressiv in den heftigen schroffen Ausbrüchen, bohrend intensiv, voller Schärfe des Klangs in den düsteren aufgewühlten Passagen und den fahlen Farben, die den Schrecken des Krieges, die Trümmer der Zerstörung und das Leid der Opfer offenbar machen. Eindringlich gelang den jungen Streichern auch der ergreifende dunkle Trauergesang und das weit ausschwingende Largo, voller Schwermut und Elegie: ein Spiel von unerhörter Ausdruckskraft!

Die Idee, bei einem solchen Förderkonzert hochbegabten jungen Solisten ein Podium zu bieten, ist beim Bartholdy Ensemble schon lange verankert. Welche Früchte dieses intensive Erarbeiten von Kammermusik zwischen Professoren und ihren Studenten trägt, war auch im Mozart-Streichquintett g-Moll KV 516 zu hören: ein Werk von eher ernstem Charakter, das vom Ensemble enorm differenziert in den Kontrasten gespielt wurde, verdichtet und doch durchsichtig in den Stimmen, straff und schlank im Streicherklang im Allegro und Menuetto, beschwörend gesteigert in der Intensität des Ausdrucks im Adagiosatz. Beschlossen wurde das eindrückliche Konzert in der etwas kalten Kirche mit einem Jugendwerk des 17-jährigen Mendelssohn-Bartholdy, dem melodisch so reichen ersten Satz aus dessen Streichoktett op.20, in dem schon ein sinfonischer Streicherklang erreicht wird.

 

Roswitha Frey (Badische Zeitung) 19.Oktober 2010                                                              zurück